Der Innenminister zur Digitalisierung in der Beamtenausbildung

                                                                                                                     21. Juli 2025

Informationen des saarländischen Innenministeriums zur Saarlandinside-Anfrage

„Stand und die Perspektiven der Digitalisierung in der Verwaltung“

Frage: Welche speziellen Lehrveranstaltungen im Studiengang und welche Weiterbildungsmaßnahmen bieten Sie zum Thema Digitalisierung, Verwaltungsinformatik, Organisationsmanagement und eGovernment an?

Aktueller Sachstand

Die Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes (FHSV) dient der Ausbildung der Anwärter für den gehobenen Verwaltungsdienst des Landes, der Gemeinden und der sonstigen juristischen Personen des öffentlichen Rechts des Saarlands. Träger ist das Ministerium für Inneres, Bauen und Sport. Für Land und Kommunen und die Polizei wird an der FHSV der Nachwuchs und das Fachpersonal der saarländischen Verwaltung für eine zukunftsweisende und bürgernahe Verwaltung ausgebildet.

Die FHSV als die Hochschule für den öffentlichen Dienst im Saarland achtet bei Ihrer Arbeit in den Bereichen Aus- und Fortbildung darauf, dass sich ihre Lerninhalte und Lernziele an den aktuellen Herausforderungen und Bedürfnissen in der Praxis der staatlichen und kommunalen Behörden ausrichten.

Die FHSV steht daher in einem ständigen fachlichen und praktischen Austausch mit den entsprechenden staatlichen Stellen, insbesondere dem Ministerium für Inneres, Bauen und Sport sowie der Regierung des Saarlandes insgesamt, den Kommunen und Kreisen sowie den kommunalen Spitzenverbänden und weiteren öffentlichen Stellen im Saarland. Darüber hinaus ist sie über die Rektorenkonferenz der Hochschulen für den öffentlichen Dienst Mitglied eines entsprechenden bundesweiten Netzwerks.

In dem dreijährigen berufsbezogenen Studiengang vermitteln Dozentinnen und Dozenten aus der Praxis und für die Praxis die notwendigen fachtheoretischen Kenntnisse für die gehobene Verwaltungslaufbahn bzw. für die Polizeilaufbahn.

Aufgrund der engen inhaltlichen Rückbindung mit den Bedarfsträgern bzw. den öffentlichen Stellen, die ihre Beamtenanwärter zum Studium an die FHSV schicken, und dem hohen Praxisbezug der Studieninhalte, sind die Themen Digitalisierung, Verwaltungsinformatik, Organisationsmanagement und eGovernment entsprechend Gegenstand der Studiencurricula.

Im Studiengang „PVD“ (Polizeivollzugsdienst) umfasst dies insbesondere folgende Module

  • 5.4.7: Datenverarbeitung in der Polizei (vgl. Anlage)
  • 6.1.3 Cybercrime (vgl. Anlage) sowie
  • 6.1.8 Organisation und Personalmanagement (vgl. Anlage).

Im Fachbereich AVD „(Allgemeiner Verwaltungsdienst) nehmen insbesondere die beiden Fächer

  • Verwaltungs- und Organisationslehre sowie
  • Informations- und Kommunikationstechnologie (vgl. Anlage)

diese Fragestellungen entsprechend in den Blick. Auch Grundlagen der KI werden im Rahmen des Unterrichts jeweils entsprechend behandelt.

Mit Blick auf den allgemeinen Verwaltungsdienst werden zudem Normen, die die digitalisierte Verwaltung betreffen, insb. die des SVwVfG, im Rahmen des Unterrichts mitbehandelt. Dies gilt auch für das OZG und die darauf basierenden Folgenormen.

Zusätzlich ist ein Wahlpflichtfach IuK in Planung.

Im Geschäftsbereich polizeiliche Fortbildung fand und findet eine Vielzahl von Fortbildungsseminaren statt, die die Bekämpfung der Cyberkriminalität zum Gegenstand hatten bzw. haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden und werden in diesen Seminaren in der Anwendung von Software geschult, mit deren Hilfe vor allem Cybercrime-Delikte erkannt, aufgeklärt und künftig verhindert werden sollen. Ein Teil dieser Software firmiert unter dem Begriff ‚Cybertool-Box‘ “.

Themen dieser Fortbildungen sind u.a. die Hinführung zum Cybercrime Desktop (CCD – Modul Professional), Heranführung an Cybertoolbox und dir3ctory, Ermittlungsarbeit und Umgang mit Fakeshops, Kryptowährungen, Open Source Intelligence (OSINT).

Darüber hinaus begleitet der Geschäftsbereich polizeiliche Fortbildung auch die flächendeckende und saarlandweite Implementierung neuer IT-Lösungen und begleitet und unterstützt so die Digitalisierung der Polizei im Saarland. Ein sichtbares Beispiel ist die derzeitige Einführung des neuen digitalen Vorgangsbearbeitungssystems @rtus. Damit unterstützt die FHSV die saarländische Polizei in ihrer größten Digitalisierungsoffensive mit flächendeckenden Beschulungsmaßnahmen zu einem neuen Vorgangsbearbeitungssystem sowie der elektronischen Akte in Strafsachen, die sowohl die Polizeibehörden als auch alle justiziellen Organisationen ab dem 01.01.2026 in Deutschland betrifft. Mit diesen beiden Großprojekten der saarländischen Polizei werden mit Umsetzung dieser Vorhaben wesentliche Fortschritte in der Digitalisierung umgesetzt. Die neue App @rtus mobile wird die Arbeit der Polizisten bei Einsätzen künftig deutlich effizienter gestalten. Alle Daten werden künftig direkt vor Ort digital über das Smartphone erfasst werden können: Für einen direkten Informationsaustausch mit Kollegen und den schnellen Abgleich mit bereits vorhandenen Daten.

Ähnliches gilt mit Blick auf die Arbeit der FHSV im Bereich der allgemeinen Fortbildung: Das Fortbildungsprogramm der FHSV orientiert sich zum einen an Bedarfsmeldungen der Dienstherren und Seminarteilnehmer im Rahmen der Evaluierung, zum anderen an von uns aufgrund eigener Fachlichkeit antizipierten Bedarfen. Aufgrund der Vielzahl und Heterogenität unserer Kunden, und der daraus resultierenden Vielzahl an IT-Entwicklungskonzepten, versuchen wir,  insbesondere beim Antizipieren von Bedarfen, Basisbedarfe abzudecken, gleichzeitig aber auch Impulse für Neuerungen zu liefern.

Im Programm 2025 wurden 22 IT-Seminare angeboten. Bei größerer Nachfrage kommen Wiederholungsseminare dazu. Neben den Klassikern rund um das Office-Paket wurde unter anderem angeboten: „Projekte digital umsetzen“, „Einführung in die Recherche in den juris Datenbanken“, „Social Media im behördlichen Umfeld“ oder „Digitalisierung- Verwaltung 4.0.- Künstliche Intelligenz“.

Schnittmengen mit eGovernment gibt es natürlich auch in zahlreichen anderen Themen, beispielsweise bei Fragen der gelungenen Kommunikation, des Arbeitens im Homeoffice oder des Datenschutzes.

Das Programm 2026 ist derzeit in Planung. Hierbei wird dem Bereich der KI größere Bedeutung beigemessen, wenn wir das zukunftsträchtige Programm „Canva“ unseren Teilnehmern vorstellen wollen.

Die Arbeit der FSHV im Bereich Fortbildung zeigt zudem beispielhaft, wie die FHSV auch intern den Nutzen der Digitalisierung im Sinne von  eGovernment nutzt:  In den ersten Jahren der FHSV wurden die Seminare klassisch beworben und ausgeschrieben: Mit einem ausgedruckten Fortbildungsprogramm und Versenden via Deutscher Post bzw. Saarriva. Heute findet das Bewerben ausschließlich digital statt: Via Internet, Intranet, sowie eMails. Zudem wurde das Anmeldeverfahren kontinuierlich digitalisiert. Statt über Post und Fax werden die Teilnehmer heute weitgehend digital angemeldet, es gibt lediglich vereinzelte Korrekturen via Telefon.

Daneben finden Seminare und Kurse entweder in Präsenz oder auch via Videokonferenzsystem statt. Gerade diese Flexibilität hat es der FHSV ermöglicht, auch in der Coronazeit schnell umzuschalten und ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen.