Es sollte der industrielle Befreiungsschlag für die saarländische Energiewende werden, doch nun herrscht vorerst Ernüchterung: Beim milliardenschweren Poker um die staatlich-stattlich subventionierten, neuen deutschen Gaskraftwerke ist der Standort Ensdorf in der ersten Runde leer ausgegangen.
Die Bundesnetzagentur hat am 3. November die Gewinner der ersten Auktionswelle des neuen Kapazitätsmarktes verkündet – der Name des französischen Energiekonzerns ENGIE taucht auf der Zuschlagsliste nicht auf. ENGIE hat die Mehrheit an Energie Saarlorlux und betreibt in Belgien Atommeiler.
Die politische Euphorie war groß. Ein hochmodernes, wasserstofffähiges Gaskraftwerk sollte in Ensdorf an der Stelle des vorigen Kohlekraftwerks entstehen. Doch wie wir bereits in unserer ersten Analyse darlegten, baut die Industrie heute keine Kraftwerke mehr für den freien Strommarkt. Gebaut wird nur noch für den staatlichen Kapazitätsmarkt, bei dem allein für das Bereithalten von Leistung üppige Subventionen (bis zu einem gesetzlichen Deckel von 244.000 Euro pro Megawatt und Jahr) winken.
Jetzt hat die Bundesnetzagentur die Zuschläge für die ersten 5.160 Megawatt (verteilt auf 11 Gebote) vergeben. Dass Ensdorf fehlt, lässt tief in die Mechanik dieses planwirtschaftlichen Milliardenpokers blicken.
Wie der Milliarden-Poker funktioniert
Um dieses Ergebnis einzuordnen, muss man die Spielregeln der Behörde kennen. Es handelt sich um Auktionsverfahren: Die Konzerne reichen verdeckt ein, welche jährliche Subventionssumme pro Megawatt sie vom Staat mindestens fordern, um rentabel bauen zu können. Die Netzagentur öffnet die Umschläge, sortiert die Gebote beim billigsten Preis beginnend aufwärts und erteilt so lange Zuschläge, bis die ausgeschriebene Gesamtmenge erreicht ist. Wer zu teuer anbietet, fliegt raus. Zudem gibt es eine harte Eintrittskarte: Wer keine weit fortgeschrittenen Umweltgenehmigungen nachweisen kann, wird nicht zugelassen.
Da die Netzagentur aus Gründen des Wettbewerbsschutzes nur die Gewinner, nicht aber die unterlegenen Bieter veröffentlicht, bleiben für das Saarland aktuell drei realistische Szenarien:
1. Die Genehmigungs-Falle: Um überhaupt an der lukrativen Auktion am 8. September teilnehmen zu dürfen, müssen Projekte planungsrechtlich weit fortgeschritten sein. Möglicherweise haben die saarländischen Behörden oder der Konzern selbst dieses sportliche Tempo seit der Ankündigung im Juni schlicht nicht halten können.
2. Verpokert im Bieterwettstreit: Die erste Runde war massiv überzeichnet. Es ist gut möglich, dass ENGIE zwar ein Gebot für Ensdorf abgegeben hat, dieses aber nicht wettbewerbsfähig genug war. Die Konkurrenz von RWE und LEAG haben ENGIE mit niedrigeren Geboten ausgestochen.
3. Taktisches Abwarten: In diesem Milliardenmarkt wird mit verdeckten Karten gespielt. Womöglich hat ENGIE die erste Runde bewusst ausgesetzt, um das Preisniveau der Konkurrenz zu analysieren und dann in der nächsten Welle punktgenau zuzuschlagen.
Fazit: Das Warten geht weiter
Egal, welches der drei Szenarien zutrifft, für Ensdorf heißt das nun: Alle Hoffnungen ruhen auf der zweiten Auktionswelle, deren Gebotsfrist am 29. Dezember 2026 abläuft. Zwar kommt mit der Ansiedlung des Unternehmens Holzhauer wieder erstes Leben auf das Gelände des alten Kohlekraftwerks, doch der erhoffte, gewaltige industrielle Leuchtturm von ENGIE bleibt vorerst genau das: ein bloßer Bauplan, der auf den Geldregen aus Berlin weiter warten muss.
