„Unn für das Geld!“- Wie sich der SR-Spaßmacher sieht

Die Sendezeit des SR besteht gefühlt zu 95 Prozent aus Unterhaltung. Viel über die Anforderungen an Moderatoren und den Erwartungshorizont der Hörer und Zuschauer verrät eine Ego-Reportage über das SR-Gesicht der guten Laune.  

„Nit schlecht – unn für das Geld!“ Michael Friemel soll – einer glaubwürdigen SR-Quelle zufolge – so viel verdienen wie Intendant Grasmück. Foto: Youtube   

Einen bildhaften Eindruck darüber, was der Sender seinen größtenteils über 65 Jahre alten Zuschauern und Zuhörern zumutet, vermittelt die halbstündige Reportage „Moderator mit Leib und Seele: Michael Friemel auf SR 3 Saarlandwelle “.

Friemel verrät in dem Video, das im Übrigen nach kurzer Zeit aus der ARD-Mediathek gelöscht wurde, unter anderem, warum er Moderator geworden ist (Youtube-Video 4:09):

Ich mag das gerne, mit den Leuten in Kontakt zu treten. Ach quatsch, ist doch alles Scheiße, ich hehr mich selbscht gär.“

Oder wenn die Schalte zum Wetterstudio in Frankfurt nicht funktioniert (Video 16:20):

„Gudd. Mache mer Musik unn ich erzähl was. Das ist der große Vorteil, der mich im Laufe der Jahre entspannt gemacht hat, ich hann irgendwann gemerkt, wenn nix mehr klappt, fange ich ahn se schwätze, ich kann relativ gut und relativ lang schwätze, ohne Inhalt.“

Der Laune-Macher findet in der Frühsendung noch laue Lacher, als er den nächsten Song anspielt (Video 6:20):

„Uptown Girl – Du kannst den Kühlschrank heute Uptown Girl!“

Friemel im Video:

Für die Uhrzeit nit schlecht, oder? Unn für das Geld…“

Eine Viertelmillion Euro Honorar für Kalaumes und Kokolores
In der Tat erhält Friemel beachtliche Honorare. Der quirlige Moderator liest Wetterberichte, Staus- und Blitzermeldungen vor, hilft in Morgensendungen den Hörern in den Tag, spielt gern den Reiseführer bei Hörerreisen, johlt bei Rosenmontagszügen mit, vertickt im SR-Flohmarkt Tinnef für seine in die Jahre gekommene Zuschauerschaft und macht sich mit Oma Gerda am Rollator auf die Tour de Friemel. Mit dem verfassungsrechtlichen Informations-Auftrag des SR hat dies alles nichts zu tun.

Aus einer glaubwürdigen Quelle, die anonym bleiben möchte, hat Saarlandinside aus der oberen Etage von Schloss Halberg erfahren, dass der Gute-Laune-Moderator mit seinen Kalaumes- und Kokolores-Aktionen ungefähr so viel verdient wie Intendant Grasmück: 250.000 Euro im Jahr. So viel verdient nicht einmal Ellen Ehni, Chefredakteurin beim mit 4.500 Mitarbeitern (ohne Freie) größten ARD-Sender, dem WDR. Der SR erklärte auf Anfrage, er äußere sich nicht über die Honorare seiner Mitarbeiter.

Das Triviale frisst Geld und Personal
Das Phänomen Friemel steht für die systematische Trivialisierung des gesamten SR-Angebots, den reichweitenschwachen SR2 weitestgehend ausgenommen. Die flachen Inhalte verbrauchen einen Großteil der Finanzen, des Personal- und Technikeinsatzes.

Fazit: Der Fall Friemel zeigt 1. was SR-Verantwortliche unter Spitzenleistungen beim öffentlichen Rundfunk verstehen und was sie dafür aus den Rundfunkbeiträgen auszugeben bereit sind, 2. dass keine interne Qualitätskontrolle verhindern kann, dass veräppelnde Äußerungen über die Hörerschaft in einem halbstündigen Report öffentlich werden und 3. dass der SR die Erwartungen seiner Beitragszahler offenbar nicht sehr hoch einschätzt.

➡️Hier zum Video: „Moderator mit Leib und Seele: Michael Friemel auf SR 3 Saarlandwelle “

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